Der kanadische McCain-Konzern hat seine Pläne für den Bau einer großen Fabrik für Kartoffel-Tiefkühlprodukte in Mehrum im Landkreis Peine aufgegeben. Diese Entscheidung bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber agrarticker.de.
“Nach einer umfassenden Überprüfung der Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projekts hat das Unternehmen entschieden, die geplante Investition in ihrer derzeitigen Form zum aktuellen Zeitpunkt nicht weiterzuverfolgen. Diese Entscheidung spiegelt die aktuellen Marktbedingungen in Europa wider, darunter einen erheblichen Anstieg der Projektkosten infolge der Inflation, Überkapazitäten bei verarbeiteten Kartoffelprodukten sowie eine schwächere Nachfrage in wichtigen Märkten.” Auch wenn das derzeitige Projekt nicht weiterverfolgt wird, betrachtet McCain nach eigenen Angaben Deutschland weiterhin als einen wichtigen Markt für die Kartoffelverarbeitung und wolle in den kommenden Monaten ein mögliches alternatives Investment prüfen.
Die Entscheidung, den Produktionsstandort für tiefgekühlte Kartoffelprodukte nicht zu bauen, stößt bei den Landwirten auf große Ernüchterung. “Wir bedauern es sehr, dass diese zusätzliche Wertschöpfung nicht in die Region kommt”, sagt Karl-Friedrich Wolff von der Sahl vom Niedersächsischen Landvolk Braunschweiger Land. Mit einigen Landwirten seien bereits Gespräche über Abnahmeverträge geführt worden. Um die Rohstoffversorgung aus der Region zu sichern, hatten das rheinische Handelsunternehmen Wilhelm Weuthen GmbH & Co. KG, Schwalmtal und McCain GmbH, Eschborn, ein Joint Venture Kartoffelcentrum Niedersachsen in Mehrum beim Bundeskartellamt beantragt.
Baukosten sind zu hoch
“Wir müssen dringend an unserer Wettbewerbsfähigkeit auch bei der Ansiedlung von Industrieanlagen arbeiten”, sagt Wolff von der Sahl. Die Baukosten seien in Niedersachsen zu hoch. Das zeige auch die Absage der Ansiedlung von McCain. Das milliardenschwere Bauvorhaben war zuletzt ins Stocken geraten. Für Verzögerung sorgten im Frühjahr nach Angaben der Lebensmittelzeitung (LZ) Probleme auf der Baustelle. Nach längerem Stillstand waren im Juni die Baumaschinen nach Mehrum zurückgekehrt. Zuvor waren dort Schadstoffe in der Erde des ehemaligen Kraftwerkstandorts entdeckt worden. Außerdem hatten sich Bürgerinitiativen gegen den Bau positioniert.
Nordzucker cancelt Erbsenverarbeitung
Nach Nordzucker, die die Verarbeitung von Erbsen gestoppt hätte, sei dies nun das zweite Fiasko. Zudem ächzten auch Mühlen, Mälzer und Brauereien unter dem wirtschaftlichen Druck oder gäben auf. “Da müssen wir konkurrenzfähiger werden und da muss das Land jetzt die Initiative ergreifen und die Kostenstrukturen für den Betrieb und neue Investitionen sowohl für die Landwirtschaft als auch für die verarbeitende Industrie deutlich senken”, forderte Wolff von der Sahl. Reformen des Bau- und Imissionsrechtes für Gewerbe und Landwirte seien dringend notwendig.
