Dr. Frank Hiller, CEO der Baywa AG, scheidet zum 31. Juli 2026 einvernehmlich aus dem Unternehmen aus. Dies teilte der Agrarkonzern am vergangenen Samstag, 10. Januar 2026, mit. Bereits am vergangenen Dienstag (6. Januar) hatte agrarticker.de über einen möglichen Abgang berichtet. Der Aufsichtsrat ist in der vergangenen Woche zu mehreren Sitzungen zusammengekommen, um über die Personalie Hiller zu beraten. Sein Amt als Vorsitzender des Vorstands endet mit sofortiger Wirkung, teilt die Baywa am Freitagabend (9. Januar) mit. Grund seien unterschiedliche Auffassungen über die mittel- bis langfristige Strategie des Unternehmens. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zufolge, drängte Hiller auf eine Aufarbeitung der Baywa-Krise.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Im August 2025 hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ehemalige Baywa-Vorstände eingeleitet. Demnach besteht der Verdacht, dass sie im Jahresabschluss 2023 die Finanzlage falsch dargestellt haben. Ferner gibt es Prüfungen der BaFin. Hiller hatte auf der Hauptversammlung im September 2025 Aufklärung und Kooperation versprochen.
Neue Zuständigkeiten
Im Vorstand werden mit dem Ausscheiden von Hiller die drei CEO-Ressorts neu zugeordnet: Sanierer Michael Baur übernimmt Strategie, Recht sowie die Geschäftsbereiche Baustoffe und Technik. Finanzvorstand Prof. Matthias J. Rapp verantwortet zukünftig auch die Bereiche Compliance, Revision und Investor Relations. Vorständin Marlen Wienert übernimmt zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben das Personalressort sowie den Bereich Nachhaltigkeit.
Sanierung verläuft nach Plan
Die seit nunmehr zwei Jahren eingeleitete Restrukturierung des hoch verschuldeten Agrarkonzerns verlaufe nach den Worten von Gregor Scheller, Aufsichtsratsvorsitzender der Baywa, nach Plan. Ende des Jahres 2025 konnte die Futtermittel-Tochtergesellschaft Cefetra verkauft werden. Die Erlöse senken die hohen Verbindlichkeiten. 2024 hat die Baywa einen Verlust von 1,6 Mrd. € eingefahren. Vor fast genau zwei Jahren nahm mit dem Abgang des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Josef Lutz die Krise den Müncheners Agrarhandelsunternehmen seinen Lauf. Lutz hatte zuvor als CEO die Internationalisierung der Baywa mit riskanten Darlehen vorangetrieben.
