Stickstoffdünger haben sich auf den Weltmärkten seit Jahresbeginn um rund 30 bis 40 Prozent verteuert, teilt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) mit. Düngerhändler rechnen die gesamte Saison über mit fest gestimmten Kursen. Die Situation ist vergleichbar mit Februar 2022, dem Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine.
Der Harnstoffpreis ist vor vier Jahren auf fast 1.000 €/t geklettert. Aktuell bewerten Händler hierzulande den granulierten Harnstoff mit Ureasehemmer mit etwa 730 €/t, also 20 €/t mehr als Mitte März. Die Preise für den Maisdünger Diammoniumphosphat (DAP) haben sich binnen eines Monats um 65 auf 835 €/t verteuert. Kalkammonsalpeter (KAS) klettert ab norddeutschem Lager auf 455 €/t, das sind 15 €/t mehr als noch Mitte März.
Preise bleiben fest
Das feste Preisniveau auf dem deutschen Markt dürfte nach Einschätzung von Marktteilnehmern bis Ende der Düngersaison anhalten. Wer kurzfristig Ware benötigt, sollte den Kauf nicht mehr zu lange hinauszögern. Das Warenangebot ist knapp. Sollte der Krieg andauern, steigen die Produktionskosten der deutschen Hersteller. Marktbeobachter schließen nicht aus, dass es kurzfristig vor Beginn der Saison 2026/27 zu einem Überangebot kommen könnte, wenn die derzeit nicht verkauften Mengen auf den Markt drängen.
Der Wintereinbruch vor Ostern hat die Nachfrage nach Düngemitteln hierzulande zum Erliegen gebracht. Eine Ausbringung ist derzeit nicht möglich.
Branchenverbände geben aktuell Entwarnung. In Europa sind Landwirte für die erste und zweite Stickstoffgabe mit Ware versorgt. “Rund 80 Prozent der benötigten Menge für das gesamte Frühjahr ist bereits in den Lägern der Genossenschaften und rund 50 Prozent auch schon direkt bei den Landwirten”, sagt Philipp Spinne vom DRV gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa).
Importabhängigkeit reduzieren
Etwa 75 Prozent des Stickstoffdüngerbedarfs in Deutschland stammen aus europäischer Produktion, bei Kalidüngern liegt der Anteil mit dem Produzenten K+S sogar etwas höher, teilt der Industrieverband Agrar (IVA) mit. Die EU-Kommission arbeitet derzeit mit Hochdruck an einer Düngerstrategie mit dem Ziel, Europa unabhängiger von Importen zu machen. Nach Angaben der EU-Kommission geht es um Maßnahmen, um die europäische Produktion zu stärken, die Herkünfte von Importen breiter aufzustellen sowie Alternativen wie biologische und organische Dünger voranzubringen. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen will nach Ostern die Stickstoffwerke Piesteritz besuchen, um sich bei dem Hersteller von Harnstoff über die Lage zu informieren.
CBAM bleibt
In einer ersten Reaktion auf die hohen Preise plant die EU-Kommission, die CO2‑Grenzausgleichsabgabe (CBAM) für Düngemittel von 10 auf 1 Prozent zu senken. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) will sich nach eigenen Angaben in Brüssel dafür einsetzen, Zölle auf Importe von Stickstoffdüngern und Ammoniak (Meistbegünstigungszölle) ab dem 1. Mai auszusetzen. Das im Januar 2026 eingeführte CO2‑Grenzausgleichssystem CBAM bleibe nach Angaben einer EU‑Sprecherin gegenüber agrarticker.de bestehen. CBAM müssen ausländische Hersteller entrichten, wenn sie nicht die europäischen Produktionsstandards erfüllen.
Die faktische Sperrung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr beeinträchtigt den Nachschub von Düngemitteln aus dem Iran und Nahen Osten. Geschätzt ein Drittel des weltweit gehandelten Harnstoffs und etwa 20 Prozent des Ammoniaks passieren die Straße von Hormus. Diese setzt der Iran als Druckmittel gegenüber den kriegerischen Angriffen der USA und Israel ein und lässt die beladenen Frachter nicht passieren. Hingegen brauchen Länder wie Thailand, Südkorea und Indien dringend Düngemittel. Sie sind die Hauptabnehmer von Ware aus dem Nahen Osten. Erschwerend hinzu kommen die von Russland und China verhängten Exportverbote, was weltweit das Angebot verknappt.
