Der Zuckerhersteller schreibt rote Zahlen in einem Marktumfeld, das von immensem Mengenüberschuss und Tiefstpreisen geprägt ist. Zu den hohen Beständen aus den zwei vergangenen Kampagnen komme eine überdurchschnittliche Zuckerproduktion in Brasilien hinzu, die das globale Angebot zusätzlich belaste. Nur eine Flächenreduktion könnte langfristig Abhilfe schaffen. Die unstete US-Zollpolitik, steigende Kosten für Energie, Logistik und Düngung sowie ein leicht rückläufiger Zuckerkonsum auf Abnehmerseite drücken die Zuckerpreise auf den niedrigsten Stand seit 2021. „Dieser Preisverfall wirkt direkt und mit voller Wucht auf unser Unternehmen“, fasst Lars Gorissen, Vorstandvorsitzender der Nordzucker, die Lage des Unternehmens am Donnerstag (28. Mai 2026) bei Online-Bilanzpressekonferenz zusammen.
Operativer Verlust in Höhe von 226 Mio. €
Der Umsatz im Geschäftsjahr 2025/26 (März/Februar) sank auf 2,34 (2,77) Mrd. €. Der operative Verlust (EBIT) lag bei 226 (Vorjahr: plus 100,5) Mio. €. Das Hauptgeschäft mit Zuckerrüben verzeichnete einen Verlust von 226 (Vorjahr: plus 86) Mio. €. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung daher vor, keine Dividende für das Geschäftsjahr 2025/26 auszuschütten (Vorjahr: 0,40 €/Aktie). Auch der Wettbewerber Südzucker will in diesem Jahr keine Auszahlung an die Aktionäre vornehmen.
Sinkende Auszahlung und neue Werkstruktur
Durch den Ausbau des Zuckerrohrgeschäfts und die Herstellung funktionaler Inhaltsstoffe und pflanzlicher Proteine will Nordzucker künftig besser gegen Marktschwankungen gewappnet sein. Weitere Maßnahmen wie Investitionen in die Dekarbonisierung und Kostensenkungen sollen den Konzern bis 2027/28 wieder profitabel werden lassen. „Das Fundament bilden resilientere Preismodelle, um auch in Zeiten niedriger Zuckerpreise eine schnellere Kostenentlastung herbeizuführen“, betont Alexander Bott, Finanzvorstand der Nordzucker. Die Anpassung des neuen Vertragsmodells sieht einen reduzierten Mindestpreis vor, der die Vorjahreswerte signifikant unterschreitet.
Die deutschen Werke sind künftig stärker ausgelastet. So übernehmen die Standorte in Uelzen und Nordstemmen Teile der Produktion des slowakischen Standorts, der jetzt ein Logistikzentrum ist. Beide Werke produzieren Kleinverpackungen für den Vertrieb über die Slowakei. Die eingestellte Raffination von Würfel- und Puderzucker in Finnland fängt ebenfalls das Hauptwerk in Uelzen auf. Schließungen in Deutschland sind dem Vorstand zufolge nicht geplant.
