Brasiliens Zuckerrohrernte legt 2026 gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent zu, Foto: Andre Nery - stock.adobe.com

| Markus Wolf

Mehr Ethanol, weniger Zucker

Eine wachsende Anbaufläche und steigende Erträge lassen für Zuckerohr 2026/27 eine Rekordproduktion erwarten. Mehrmenge fließt in die Biopriterzeugung.

Die Ernte hat zwar gerade erst in Teilen Brasiliens begonnen (im Nordosten starten die Erntearbeiten erst im August), dennoch legen erste vorläufige Schätzungen eine ertragreiche Zuckerrohrernte 2026 nahe. Die Versorgungsbehörde (Conab) im brasilianischen Agrarressort geht davon aus, dass der daraus resultierende Anstieg der Zuckerproduktion “eine weitgehende Stabilisierung der Zuckerproduktion sowie ein Wachstum bei der Herstellung des Biokraftstoffs” mit sich bringt. Darüber hinaus habe sich am (weiterhin von gedämpften Preisen geprägten) internationalen Zuckermarkt in den vergangenen Wochen eine Belebung gezeigt. Das könnte die Zucker‑ und Energiebetriebe dazu veranlassen, ihre Produktion stärker auf Zucker auszurichten, heißt es in dem 1. Erntebericht 2026/27.

Die erste Schätzung für die diesjährige Zuckerrohrernte legt eine zum Vorjahr um 5 Prozent auf rekordhohe 709 Mio. t steigende Erzeugung nahe. Grundlage dieser Prognose ist die erwartete Ausweitung der Erntefläche zum Vorjahr um 2 Prozent auf rekordhohe 9,1 Mio. ha. Zudem habe sich das Wetter der vergangenen Monate günstig auf die Erträge ausgewirkt. Die setzt Conab aktuell mit durchschnittlich etwa 77,8. t/ha an, und damit gut 3 Prozent über dem Vorjahresergebnis. Erneut sei eine Umwandlung von Weideflächen zu beobachten sowie in einigen Bundesstaaten auch von Flächen, die zuvor für einjährige Kulturen genutzt wurden.

Weniger Zucker, mehr Ethanol

Brasiliens Zuckerproduktion in der Saison 2026/27 schätzt die Behörde auf rund 44 Mio. t, was im Jahresvergleich ein Minus von 0,5 Prozent bedeutet. “Die Aufrechterhaltung der Produktion des Süßungsmittels steht vor der Herausforderung weiterhin unter Druck stehender internationaler Preise”, so die Erklärung für die erwartete Entwicklung.

Günstiger seit das Marktumfeld für Ethanol. Conab schätzt, dass die Produktion von Ethanol aus Zuckerrohr 2026/27 um 7 Prozent auf 29,3 Mrd. l zunehmen wird. Rechnet man den aus Mais erzeugten Ethanol dazu, steht für die landesweite Ethanolproduktion ein Plus von 9 Prozent auf 40,7 Mrd. l in Aussicht.

Brasiliens Ethanolsektor profitiert den Angaben zufolge von den weltweiten geopolitischen Spannungen und den hohen Erdölpreisen. Hinzu komme der stetig wachsende Anteil von Ethanol aus Mais, das sich in den vergangenen Jahren “als wichtige Alternative mit deutlich zunehmender Bedeutung auf dem brasilianischen Energiemarkt im Bereich der Biokraftstoffe” etabliert habe.