Weltweite Konkurrenz um Dünger
Die europäischen Hersteller veröffentlichen im Mai ihre ersten Frühbezugskonditionen zur frühen Einlagerung von Stickstoff (N-)düngern im neuen Düngejahr 2026/27. Marktbeobachter raten Landwirten aufgrund der hohen Düngerpreise, den Einkauf von Teilmengen nicht zu lange hinauszuzögern. Das britische Beratungsunternehmen Oxford Economics erwartet wegen des Iran-Kriegs steigende Düngemittelpreise im Herbst. Weltweit dürften sie um mehr als 30 Prozent im Vergleich zu 2025 zulegen. Im Herbst sind in Deutschland die Bestände der Mengen aus der Saison 2025/26 aufgebraucht und damit das Ende der verhältnismäßig günstigen Kurse vorbei. Die EU werde mit anderen Akteuren auf dem Weltmarkt um die schwindenden Düngemittelvorräte konkurrieren müssen, heißt es von Oxford Economics. Auf Importe aus dem Nahen Osten sei Europa – anders als etwa Australien, Thailand und Brasilien - jedoch nicht angewiesen.
Frachter sitzen fest
Der Weltmarkt für Düngemittel ist mit Beginn des Krieges zwischen den USA und dem Iran Ende März aus den Fugen geraten. Seit Monaten sitzen wegen der Blockade der Straße von Hormus im Golf von Oman mehr als 100 Düngerfrachter fest. Weltweit ist das Angebot knapp. Nitrathaltige Düngemittel sind rund 45 Prozent teurer als im Vorjahr. Hauptursache hierfür ist ein Anstieg der Ammoniakpreise, die in der EU um fast 100 Prozent auf rund 905 US-$/t cfr EU-Seehafen gestiegen sind.
Schwankungen abfedern
Anstatt beim Düngerkauf auf den perfekten Zeitpunkt zu setzen, empfehlen Marktteilnehmer wegen der unsicheren geopolitischen Lage landwirtschaftlichen Betrieben einen gestaffelten "Drittel-Split“ im Frühsommer, Herbst und Frühjahr vorzunehmen. Damit lassen sich Preisrisiken besser verteilen und Marktschwankungen abfedern, lautet der Rat. Landwirte sollten sich erste Düngermengen im Frühbezug sichern, um einen Vorrat für das Frühjahr 2027 auf dem Hof zu haben. Dazu bieten Produzenten und Agrarhändler derzeit Verkaufsaktionen an.
Belebte Nachfrage
Aktuell steht die Qualitätsgabe im Weizen an. Berater fordern Landwirte auf, die Qualitätsgabe durchzuführen. Zu groß sei das Risiko, wegen schwachen Proteinwerten bei den Mühlen gestoßen zu werden. Händler berichten von einer Nachfragebelebung nach N-Düngern trotz hoher Produktionskosten. In den vergangenen Wochen konnten Landwirte Weizen der neuen Ernte zu etwas höheren Kursen verkaufen. Insofern kann es sich durchaus rechnen, die Qualitätsgabe im Umfang von 50 bis 60 kg N/ha je nach Düngebedarfsbilanz durchzuführen. Hinzu kommt die Absicherung der Erträge. Dazu nutzen die Betriebe die zum Ende der Saison günstigeren Preisniveaus, um den kurzfristigen Bedarf für die Qualitäts- und Grünlanddüngung abzudecken.
Harnstoff vernachlässigt
Harnstoff ist aktuell hochpreisig. Die Kurse liegen rund 80 Prozent über dem Vorjahresniveau und machen eine frühe Einkaufsentscheidung damit wenig attraktiv. Vor allem Importe sind teuer und auf dem deutschen Markt kaum aufgerufen. Der Anteil von Harnstoff am gesamten Stickstoffmarkt in Deutschland erreicht 2024/25 nur noch 14 Prozent. Europäischer granulierter Harnstoff hat im Mai nochmals um 25 auf 730 €/t angezogen.
Für Kalkammonsalpeter (KAS) sind zum Ende der Saison 455 €/t genannt. Die international hohen Preise für Schwefel machen sich beim ASS-Dünger bemerkbar. So kostet ASS um die 480 €/t ab norddeutschem Lager.
Beim Flüssigdünger AHL ist die Nachfrage weltweit groß. Insofern treffen kaum Importe in Deutschland ein. Hier gibt es nur deutsche Anbieter in überschaubaren Mengen. Ab Lager sind es rund 450 €/t für AHL. Der Maisdünger DAP ist erneut um 30 auf 860 €/t frei Hof gestiegen. Die Versorgung mit DAP ist aktuell nicht kalkulierbar.
