Besonders Milchvieh- und Rinderhalter sehen optimistisch in die Zukunft. Foto: Archiv

| Charlotte Lea Bromm

Tierhalter optimistisch gestimmt

Die Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft sinkt auf einen Tiefststand. Lagerkapazitäten erhöhen die Flexibilität, bei hohen Preisen verkaufen zu können.

Das Geschäftsklima in der Agrarbranche ist in der Frühjahrsumfrage 2026 von minus 2,4 auf minus 2,6 und damit auf den niedrigsten Wert seit 2016 gesunken. Das zeigt das Agrarbarometer der Rentenbank, das alle drei Monate erscheint. Dazu tragen besonders die mit dem Iran-Krieg verbundenen Unsicherheiten und Preissteigerungen bei Energierohstoffen und Düngemitteln bei.

Eingetrübte Aussichten im Ackerbau

Die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage ist um 0,1 auf  minus 1,2 Punkte zurückgegangen. Die Gründe sind hohe Betriebsmittelpreise und niedrige Verkaufspreise für Getreide und Kartoffeln. 69 Prozent der befragten Landwirte beurteilen ihre derzeitige Lage als befriedigend oder besser (Dezember 2025: 73 Prozent).

Die Bewertung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage verbesserte sich von minus 4,6 auf minus 3,9 Punkte. Diese Entwicklung ist auf positivere Aussichten in der Milchvieh- und Rinderhaltung zurückzuführen. Im Ackerbau sehen dagegen 42 Prozent (48 Prozent) der Befragten ihre Zukunftsaussichten als gleich an, 11 Prozent bewerten sie als günstiger oder sehr viel günstiger (8 Prozent).

Investitionsbereitschaft sinkt

In den vergangenen zwölf Monaten haben 71 Prozent der befragten Landwirten investiert (Dezember 2025: 78 Prozent). Das durchschnittliche Investitionsvolumen stieg auf 218.300 € (Dezember 2025: 202.300 €). Der Blick nach vorn zeigt eine rückläufige Investitionsbereitschaft: Nur noch 55 Prozent der Befragten planen derzeit, in den kommenden zwölf Monaten zu investieren (Dezember 2025: 62 Prozent). Das geplante Investitionsvolumen erhöhte sich dagegen leicht auf 263.500 €. Für Stallbauten und erneuerbare Energien werden höhere Summen eingeplant.

Entgegen der allgemeinen Stimmung bewerten mehr als 80 Prozent der befragten Landwirte ihre betriebliche Liquidität aktuell als mittel bis sehr gut. Der Anteil der Befragten mit der Einschätzung einer guten oder sehr guten betrieblichen Liquidität steigt um vier Prozentpunkte auf 42 Prozent, ein erster Anstieg seit März 2025.

Steigender Liquiditätswert täuscht

Oliver Mußhoff, Professor für „Landwirtschaftliche Betriebslehre“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und aktiver Landwirt in Brandenburg relativiert die vermeintlich steigende Liquidität: „Zum einen liegt die Bewertung weiterhin deutlich unter dem Niveau des Wertes aus dem Frühjahr 2025. Zum anderen kann der leichte Anstieg auch Ausdruck wachsender Unsicherheit sein – etwa im Hinblick auf künftig steigende Betriebsmittelpreise infolge geopolitischer Entwicklungen.“ Die Einschätzung sei zudem keineswegs für alle Betriebsformen gleichermaßen gültig. Gerade reine Ackerbaubetriebe ohne Lagerkapazitäten verfügten derzeit kaum über Liquiditätszuflüsse, so der Experte. Mußhoff hält es für wahrscheinlich, dass sich die Liquiditätslage in den kommenden Monaten eher verschlechtern wird.

DBV fordert Risikoausgleichszulage
Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht in den  Bewertungen des Ackerbarometers der Rentenbank ein Warnsignal und fordert rasch wirksame politische Maßnahmen zur Stabilisierung der Betriebe. „Die Zeit war noch nie so reif für eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage. Ein solches Instrument würde Resilienz schaffen und Planungssicherheit erhöhen“, so Joachim Rukwied, Präsident des DBV. Dabei können Gewinne in guten Zeiten für schlechte Zeiten eingesetzt werden.