Edeka wächst in der Fläche. Foto: Edeka

| Daphne Huber

Übernahme mit Auflagen

Vier Lebensmitteleinzelhändler vereinen 90 Prozent der Umsätze in Deutschland. Edeka erhält die meisten tegut-Standorte.

Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von 178 tegut-Lebensmittelmärkten sowie weiteren Unternehmensteilen durch die Edeka freigegeben. Der Lebensmitteleinzelhändler (LEH) hat sich verpflichtet, weitere 24 tegut-Standorte für einen Zeitraum von vier Jahren nicht zu erwerben. In zehn weiteren Markträumen werden die Bedenken durch den Erwerbsverzicht in benachbarten und sich überschneidenden Markträumen in der Gesamtbetrachtung beseitigt und auf ein fusionskontrollrechtlich hinzunehmendes Maß reduziert. Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Zusammenschluss ohne die Zusagen in 34 regionalen Markträumen in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs erwarten ließe. In neun dieser Markträume wäre zugleich die Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung der Edeka sowie zu einer schlechteren Versorgung der Verbraucher zu erwarten gewesen, teilte der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt mit. Die Bestimmungen legen nicht fest, ob und von wem die Standorte künftig betrieben werden.

Zuschlag an Tante Enso

Hintergrund ist, dass sich die Einzugsgebiete von Lebensmittelmärkten teilweise überschneiden und der Wettbewerb in einem Marktraum deshalb auch von Standorten in angrenzenden Markträumen beeinflusst wird. Das Bundeskartellamt hatte bereits im Juni 2026 die Übernahme von 36 überwiegend kleineren tegut-Standorten durch die Tante Enso Süd-West GmbH & Co. KG freigegeben.

Rewe-Prüfverfahren läuft noch

Daneben prüft das Bundeskartellamt weiterhin die geplante Übernahme weiterer tegut-Standorte durch die Rewe. Die Prüffrist läuft nach einer Verlängerung derzeit bis zum 29. Oktober 2026. Eine Entscheidung in diesem Verfahren steht noch aus. Gegenstand des Vorhabens war der Erwerb von 202 tegut-Lebensmittelmärkten, 41 automatisierten teo-Standorten, der Herzberger Bäckerei sowie eines Logistikzentrums durch die Edeka.

Der durch die Übernahme von tegut hinzukommende Anteil am gesamten Beschaffungsvolumen des inländischen Lebensmitteleinzelhandels ist mit weniger als 0,4 Prozentpunkte laut Bundeskartellamt sehr gering. Zudem ist die Bedeutung von tegut so überschaubar, dass sich der Marktaustritt von tegut auf den Beschaffungsmärkten nicht erheblich auswirkt.

Die Konzentration im LEH ist weiter gestiegen
Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) und Aldi Nord und Süd vereinten 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf sich. Dies haben die Ermittlungen des Bundeskartelamtes ergeben. Edeka ist mit rund 30 Prozent größter Anbieter, gefolgt von der Schwarz-Gruppe mit rund 25 Prozent, Rewe mit rund 22 Prozent und Aldi mit rund 15 Prozent. Gleichzeitig besteht zwischen den Lebensmittelhändlern eine intensive Wettbewerberbeobachtung und – bei einem Teil des Sortiments – eine hohe Preisgleichheit.

Die durchschnittlichen Margen liegen im Lebensmitteleinzelhandel nach den Ermittlungen des Bundeskartellamtes im niedrigen einstelligen Bereich. Eine kollektive Marktbeherrschung auf den Absatzmärkten ließ sich feststellen anhand der etablierten Kriterien für eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Lebensmitteleinzelhandels-Unternehmen, auch wenn auf den Absatzmärkten einige allgemein als dafür förderlich angesehene Strukturbedingungen, wie eine geringe Anzahl an Unternehmen und eine hohe Transparenz, vorliegen.