Schwache Getreidepreise und Wetterextreme verschlechtern die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. Daher konnte die Hauptgenossenschaft ZG Raiffeisen nicht an die Erfolge des Vorjahres anknüpfen, erläuterte ZG-Vorstand Lukas Roßhart die Geschäftsentwicklung vor der Presse am Dienstag, 5. Mai 2026 in Karlsruhe. Umso mehr will die ZG ihre Position in allen Geschäftsfeldern des Agrar‑ und Verbrauchergeschäfts im Arbeitsgebiet von Weinheim bis zum Bodensee stärken. Nach den getätigten Investitionen und Übernahmen 2025 steht 2026 die Konsolidierung im Fokus.
Photovoltaik sieht Vorstandskollege Dr. Holger Löbbert dabei als wichtiges Wachstumsfeld. Der Vorstand peilt für 2026 eine Vervierfachung des Jahresüberschusses auf rund 5,7 (Vorjahr: 1,5) Mio. € an. Seit Ende 2025 gehört die Firma Würth Pflanzenschutz zur ZG. Die Übernahme soll das Agrargeschäft entlang der Rheinschiene stärken.
Der Umsatz sank im Geschäftsjahr 2025 um 1,4 Prozent auf 1,35 Mrd. €. Das Ergebnis vor Steuern (Ebit) sank um 2,9 auf 6 Mio. € gegenüber 2024. Der Konzernjahresüberschuss belief sich auf 1,5 Mio. € und blieb damit rund 200.000 € unter dem Vorjahr relativ stabil. Die Eigenkapitalquote verringerte sich auf 25 Prozent. Die fast 4.000 Mitglieder der Genossenschaft erhalten für 2025 eine Warenvergütung auf getätigte Käufe und Getreideanlieferungen in Höhe von rund 400.000 €.
Maisvermarktung unter Druck
Löbbert spricht fehlende Handelsmargen an. Die Maisvermarktung steht unter hohem wirtschaftlichem Druck. Die Läger sind noch mit alter Ernte gefüllt. Die südwestdeutsche Genossenschaft spürt den Wettbewerb durch Importe. Löbbert berichtet von einem Panamax-Schiff, das mit rund 80.000 t Mais die Beneluxländer mit Ware versorgt. Im Getreidegeschäft sind die Margen gering aufgrund schwacher Nachfrageimpulse und gut versorgter Märkte.
Anschlusskäufe rechtzeitig vornehmen
Das aktuelle Frühjahrsgeschäft ist vom Irankrieg überschattet. Die Düngerpreise sind um durchschnittlich 40 bis 50 Prozent gestiegen. Kalkammonsalpeter (KAS) verteuerte sich seit Ende März von 490 auf 540 €/t. Demgegenüber zogen die Getreidepreise kaum an. Zwar gab es Preissteigerungen bei Raps und Mais, diese können die gestiegenen Produktionskosten jedoch nicht ausgleichen. Lieferengpässe traten bislang nicht auf; für das laufende Jahr stellt Löbbert die Versorgung mit Düngemittel aufgrund von Long Positionen sicher. Allerdings müssen sich Landwirte auf hohe Startpreise einstellen. Die ZG wirbt dafür, Anschlusskäufe rechtzeitig vorzunehmen, um möglichen Lieferengpässen zuvorzukommen.
Landwirte verzichten wegen der hohen Preise auf die ein oder andere Düngergabe, was sich auf Ertrag und Qualität auswirken könnte. In der Sparte Technik, in der fünf Gesellschaften gebündelt sind, beschreibt Löbbert seinen Ausblick 2026 als „Gratwanderung“ . Die Investitionsbereitschaft der Landwirte schwanke sehr in den vergangenen Monaten. Ernteergebnisse, Vermarktungspreise sowie geopolitische Risiken – etwa Lieferausfälle und Preissteigerungen infolge der Iran‑Krise – könnten die Nachfrage nach Landtechnik beeinflussen. Für die Baukonjunktur rechnet die ZG mit einer Belebung im 2. Halbjahr 2026. Die Erfassung von Biogetreide sei im Arbeitsgebiet abgedeckt. Mittlerweile sei der Preis von Bioweizen auf 300 €/t gestiegen gegenüber von 170 €/t.
Keine Zukäufe geplant
Zukäufe für 2026 seien nicht geplant, sondern “wir wollen die getätigten Übernahmen integrieren und damit Geld verdienen”, sagte Roßhart. Die Investitionen müssten zur Ergebnislage passen in einer Größenordnung von 25 bis 30 Mio. € im Jahr. Die ZG konzentriere sich auf die Landwirte im badischen Arbeitsgebiet. Großhandelsaktivitäten seien vereinzelt möglich, stünden aber nicht im Fokus.
Zur Lage bei der angeschlagenen Baywa AG äußerte sich Löbbert zurückhaltend. Das Tagesgeschäft zwischen Baywa und ZG verlaufe gerade in den angrenzenden Gebieten mit “Hauen und Stechen.” Seit zwei Jahren sei die Baywa in der Landtechnik mit Kampfpreisen unterwegs, was keinen Spaß mache. “Wir schauen, dass wir in Grenzregionen zwiebelschalenartig unser Arbeitsgebiet erweitern können”, so Löbbert.
