Die Preise für Harnstoffdünger als globale Referenz für Stickstoffdünger haben sich nach den starken Preisanstiegen aufgrund des Irankonflikts Ende Juni wieder entspannt. Die Harnstoffpreise an wichtigen Exporthäfen wie in Ägypten notieren annähernd auf Vorkrisenniveau. Die Importe nach Deutschland sind im ersten Quartal signifikant zurückgegangen (s. Grafik unten).
Der ausschlaggebende Treiber für diese Preisentwicklung war nicht die Öffnung des Straße von Hormus, urteilen Marktbeobachter. Denn nur wenige Schiffe mit Erdgas und -öl haben bisher die Meerenge passiert. Die Treiber für die nachgebenden Kurse lagen vielmehr im klassischen Angebot und Nachfrageverhalten auf dem Düngermarkt. So ist die Risikoprämie für die Konfliktsituation im Iran nicht mehr in dem Umfang oder gänzlich ausgepreist. Indien als wichtiger Importeur hat in seinen Ausschreibungen nur noch deutlich geringere Preisniveaus gegenüber den Spitzenwerten bezahlt. China tritt erneut als Anbieter nach einem kompletten Exportstopp auf.
Gestaffelter Einkauf in unsicherem Markt
Die Hauptnachfragezeit auf der Nordhalbkugel ist mit der Hitzewelle beendet. Damit ist die Nachfrage am Düngermarkt spürbar eingebrochen. Käufer sind derzeit nicht am Markt oder schieben Neukäufe nach hinten. Aufgrund der geopolitischen Entspannung wollen Marktteilnehmer weiter rückläufige Düngerpreise nicht ausschließen. Dagegen sprechen Signale von den internationalen Märkten, die bei Harnstoff die Talsohle durchschritten sehen. Ammoniak tendiert stabil.
Seit Mitte April sind die Notierungen für Harnstoff am Weltmarkt um nahezu 50 Prozent zurück gegangen. Unterdessen verzögert sich die Herausgabe von aktualisierten Preislisten für das neue Wirtschaftsjahr 2026/27 seitens der Hersteller. Größtenteils sind die Düngerlager derzeit wie leer gefegt, um Kapazitäten für die neue Ernte vorzuhalten. Teilweise werden Restmengen mit Preiszugeständnissen abgegeben. Gleichzeitig beobachten Industrievertreter erste Frühbezugsaktivitäten für das Düngejahr 2026/27.
Da Preisentwicklungen derzeit schwer vorhersehbar bleiben, setzen viele Betriebe auf eine gestaffelte Einkaufsstrategie. Die Verteilung des Einkaufs auf mehrere Kaufzeitpunkte hat sich in der Vergangenheit häufig bewährt, um Preisrisiken zu streuen, melden die Analysten von Yara Plus.






